Mittwoch, 15. April 2015

FAUST - Teil 4 - Konstrukt und Endspurt

"Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten." - Vers 1 - Zueignung

Nun galt es dem ganzen ein Konstrukt zu verpassen, damit die Puppenspieler den Figuren Leben einhauchen können. Das Gerüst musste leicht sein, stabil und vor allem gut zu tragen. Somit entschieden wir uns nach langen Überlegungen, Tüfteln, Skizzen usw. dafür, eine Rückenkraxe als Unterbau zu verwenden. Darauf wurde dann das weitere Gerüst aufgebaut.

Von der Rückentrage führen drei Stangen nach oben - je eine für die spätere Befestigung der Arme und Schultern, und eine in der Mitte für den Kopf. Die mittlere Stange wurde mit Schellen festmontiert.

Bevor wir alles richtig montierten musste natürlich ausprobiert werden, ob die Puppen gut zu führen sind und alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellten. 

Zu diesem Zweck kam ein Freund vorbei, um sich die Puppen kurz umschnallen zu lassen, damit wir unser Konstrukt auch von außen betrachten konnten.

Außerdem wurde die Führung der Arme ausprobiert.

"Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, // Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?" - Vers 2605 f. / Faust





"Bedenkt, Ihr habet weiches Holz zu spalten." - Vers 111 / Direktor
Die Schulter-Stangen wurden oben mit einem stabilen Holz verbunden und mit den Armen schließlich aufwendig und gründlich verschraubt.

Zuvor wurden die Stangen aber noch ein Kleinwenig gekürzt, damit der Schwerpunkt der Puppen besser liegt.





Endspurt hieß es nun. Der letzte Tag war angerollt... am Nachmittag sollten sich die Puppen auf den Weg nach Innsbruck machen...

Obwohl die letzten Tage - was red ich - sogar die letzte Woche - jeden Tag durchgebastelt wurde, verlangte uns der letzte Tag noch ziemlich viel ab.

Es war ein ständiges auf und ab der Gefühle – mal riesige Vorfreude, dann wieder ein Emotionsloch, verursacht durch Stress und Zeitdruck und die Angst, nicht fertig zu werden. Außerdem sitzt einem dann auch dieser böse Perfektionismus im Nacken, der natürlich nach Perfektion strebt....

Apropos Nacken - der stand als nächster auf dem Plan. Genauer gesagt der Hals. Aus dehnbarem, hautfarbenem Stoff nähte S. einen Schlauch, der anschließend passgenau an die jeweilige Puppe geklebt wurde. 
Der Halsumfang an der Oberseite betrug übrigens beachtliche 165 cm!
Weiter ging es mit den Schultern bzw. dem Torso. Es wurde die passende Größe von dem Stangengerüst abgenommen und auf eine Schaumstoffmatte übertragen. Diese wurde dann mit Sprühkleber mit hautfarbenen Stoff überzogen und anschließend an die Puppen angepasst und montiert. 
Margarethe bekam einen etwas längeren Torso mit mehr weiblichen Rundungen.

Die Gewänder bekommen die Puppen später vom Landestheater direkt, damit sie besser zur Kleidung der Schauspieler passen. Ich bin schon sehr gespannt, wie sie aussehen werden!

Dann wurde der Hals am Kopf und am Torso befestigt und die Beweglichkeit des Kopfes nochmal ausprobiert. 






So! Die Puppen sind soweit mal bereit, nur Margarethe's Haare fehlen noch! Endlich Haare kleben :-)

Nur leider sagte uns die Uhr gar nichts gutes und Stefan und die Puppen hätten sich eigentlich schon auf den Weg nach Innsbruck machen müssen. :-( Meine Enttäuschung stand mir wohl mehr als nur ins Gesicht geschrieben.... (was mir sehr leid tut...aber ich fürchte nach dem ganzen Stress sind einfach meine Emotionen mit mir durchgegangen... *Kreise_ mit_ Fuß_ zieht*)... 
ABER: S. hat wiedermal wahnsinnig schnell reagiert, griff gleich mal zum Hörer und verschaffte uns dankenswerter Weise noch einwenig Zeit :-) :-) :-) Ich muss sagen, ich hab mich wirklich sehr gefreut :-) Also ging es schnell ans Haare kleben! Wir gingen schließlich zur Methode über, aus den ganzen Haaren Tressen vorzubereiten und klebten diese dann Stück für Stück fest.
Fertig! Zwei Stunden später konnte der Wagen sich dann endlich Richtung Innsbruck begeben und ich bin wirklich schon wahnsinnig gespannt, die Puppen dann live auf der Bühne zu sehen. Ich schau mir das Stück 100%ig an und freu mich schon drauf!

"Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder." - Vers 784 / Faust
Es war ein komisches Gefühl, sich nach getaner Arbeit wieder ins Auto zu setzen und nachhause zu fahren. Wissend, dass man nun nicht mehr jeden Tag bastelnd und werkend verbringen wird. Vor allem nicht in dieser Konstellation und für dieses Projekt. Ein Teil von mir ist durchaus froh, sich nun wieder anderen Projekten, Hobbys, Sportarten und sozialen Verpflichtungen widmen zu können. Ein mindestens genauso großer Teil ist aber auch einwenig traurig und verspürt eine gewisse Wehmut. Irgendwie steckt man - vor allem als kleiner Perfektionist - dann doch immer eine menge Herzblut in so ein Projekt.

Zusammengefasst kann ich sagen: Mir hat sowohl das Projekt selbst, aber vor allem die Zusammenarbeit wahnsinnig viel Spaß gemacht. Trotz mancher stressiger Phasen hab ich die Zeit sehr genossen, sehr viel gelernt und konnte viel für mich selbst mitnehmen. Vor allem gibt es nicht so viele Menschen, von denen ich sehr gerne lerne und mich auch gerne belehren lasse. Ich werd die Zeit ganz sicher einwenig vermissen... Aber: ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und wie schon gesagt, sehr gespannt auf die Vorstellung.

Noch ein kurzes Resümee:
  • Arbeitszeit 9. März - 12. April 2015
  • ein gutes Monat
  • 20 Basteltage
  • durchschnittlich 6,5 Stunden pro Tag
  • insgesamt ca. 130 Arbeitsstunden
  • Puppenhöhe mit Spieler ca. 4 m
  • Hände ca. 80 cm Länge
  • Arme ca. 2,40 m Länge
  • Köpfe zw. 75 und 90 cm
  • Halsumfang 165 cm
  • 60 kg Ton
  • MINDESTENS 20 kaputte Pinsel (ich hab nicht gezählt XD)
  • und Tonnen an Pattex ;-) (ungefähr :-P)





 Und somit wurde die Montur wieder an den Nagel gehängt :-)
Abschließend möchte ich noch zusammenfassend sagen:

Doch – alles, was dazu mich trieb, Gott! War so gut! Ach, war so lieb! - Gretchen, am Brunnen


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