Der großartige und liebe Stefan Gaugusch (vielen vielleicht auch eher bekannt als Rolf Rüdiger), (http://www.kasperl.co.at/backstage/) hat den Auftrag bekommen, fürs Tiroler Landestheater zwei RIESIGE Puppen zu bauen. Genauer gesagt handelt es sich um das Opernstück Faust (Margarete). Oper von Charles Gounod . Dichtung von Jules Barbier und Michel Carré nach Johann Wolfgang Goethes "Faust I"
Und zu meiner großen Freude hat er mich mit in etwa den Worten "Er macht's nur, wenn ich mit mach" gefragt, ob ich denn mit ihm gemeinsam dieses Projekt umsetzen möchte. Und: UND OB ICH MÖCHTE!!!!! (natürlich bin ich gleich mal vor Freude im Kreis gesprungen...).
"Du kannst! So wolle nur!" - Vers 4544 / Faust
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| Dies war im übrigen das Modell - von dem die passende Handform/Bewegung dann ausging... |
Also begannen wir zuerst mal mit der Recherche. RIESIGE Puppen sollen es werden. Zwei Stück. Einmal Faust, und einmal Margarete. Wie baut man solche Puppen am besten? Wie haben andere solche Puppen gebaut? Was sagt Tante Google und Onkel Pinterest dazu? Giant Parade Puppets? Wie sollen die Puppen bespielt werden? Sollen sich nur die Arme/Hände bewegen? Oder auch der Kopf? Wie, das Gesicht soll sich verwandeln können? Welches Material nehmen wir? Wie schwer darf es werden? Sie sollten so leicht wie möglich sein! Wie groß sollen sie nun wirklich werden? Und womit fangen wir an?
"Der Worte sind genug gewechselt, // Laßt mich auch endlich Taten sehn; // Indes ihr Komplimente drechselt, // Kann etwas Nützliches geschehn." - Vers 214 ff. / Direktor
Also genug der Worte, wir fangen mit den Händen an! Ab in die Werkstatt! Ab ins Kasperloffice!
Anforderungen:
- 2 Herrenhände, 2 Damenhände
- leicht (wenig Gewicht)
- stabil
- flexible Gelenke
- Halterung für die Führungsstäbe
Unsere kleinen Hände wurden im Copyshop groß aufgeblasen und auf ein Brett genagelt. Die Nägel dienten zur Führung, um aus Draht ein Skelett zu formen. Leider erwies sich der Draht doch als zu schwer, und ein neues Material musste her.
Und dazu hatte S. etwas großartiges im Baumarkt entdeckt: Wiroflex. Ich hab das Material selbst auch schon mal bei meinem Drachen verwendet und es funktioniert einwandfrei. Es lässt sich gut biegen, ist leicht und bricht nicht so einfach.
Somit wurde aus diesen Rohren das Skelett gelegt. Über den Handrücken, wo die Knöchel verlaufen, wurde eine Querverstrebung festgemacht, natürlich - wie kann es anders sein - mit schönem klassischem Gaffer ;-) - und einwenig Isolierband.

Das Skelett wurde anschließend zwischen zwei Schichten Schaumstoff gelegt, der zuvor passend ausgeschnitten wurde, und mit guten alten Pattex verklebt.
Um eine schöne Rundung hinzubekommen, wurden dann die Ränder wieder mit Pattex eingestrichen und einfach zusammengedrückt. Somit entstand diese schöne runde Form. Und Tadaaaa - die erste Damenhand war geboren! Rasch wurde die zweite Hand gebaut, und für die Herrenhände kam ein einwenig dickerer Schaumstoff zum Einsatz.
"Zwar weiß ich viel, doch möcht ich alles wissen." - Vers 601 / Wagner


Nicht nur, dass es im Kasperloffice wahnsinnig viel zu sehen gibt - zumindest für Bastel-/Werkstätten und Puppenfans - nein, es gibt dort auch wahnsinnig viel zum Ausprobieren! So viele schöne tolle Materialien, die ich selbst noch nie ausprobieren konnte, oder gar noch nicht kannte!
Eines davon ist ein Zweikomponentenschaum (Flexifoam), der richtig schön aufgeht. Normalerweise leert man ihn in eine Silikonform oder ähnliches, doch wir haben ihn kurzerhand einfach auf unsere schönen Schaumscoffhände drauf gepappt. Er haftet gut, ließ sich gut verteilen, geht nicht einwenig auf und verleiht dem ganzen eine wunderbar künstlerische Struktur (schließlich sollen die Hände nicht wie Disney-Hände aussehen)
Anschließend, um den Händen wirklich Leben einzuhauchen, wurden noch Nägel raufgeklebt. Und dann konnten es kaum erwarten, zu den Pinseln zu greifen...
Doch zuvor mussten die Hände noch zur Maniküre! Schließlich sollen Faust und Margarete ja gepflegte Hände haben! ;-)
Und ich muss sagen, die Fingernägel gefallen mir besonders gut. Auch wenn ich an einem Abend ziemlich mit den weißen kleinen Halbmonden zu Kämpfen hatte....
Tja, und nach weiteren Nächten hatten auch die Männerhände Farbe bekommen und zum Schluss wurden noch alle Innenseiten fertig bemalt.
Die Unter- und Oberarme bestehen übrigens aus einfachen Isolierrohr-Schaumstoff aus dem Bauhaus.
Und dann wurde an der Führung der Damenhände gefeilscht.....

"Besonders lernt die Weiber führen; // Es ist ihr ewig Weh und Ach // So tausendfach // Aus e i n e m Punkte zu kurieren." - Vers 2024 ff. / Mephistopheles
Die Führung der Hände brachte einiges an Denkarbeit und Herumprobiererei mit sich... aber so wie es jetzt ist, finde ich es großartig.
So - genug für heute... der nächste Schritt sind nun die Köpfe....




















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