Dienstag, 24. September 2013

Herbst, oder doch noch Spätsommer?





Jetzt ist es Herbst



Jetzt ist es Herbst,

Die Welt ward weit,

Die Berge öffnen ihre Arme

Und reichen dir Unendlichkeit.

Kein Wunsch, kein Wuchs ist mehr im Laub,

Die Bäume sehen in den Staub,

Sie lauschen auf den Schritt der Zeit.


Jetzt ist es Herbst,

das Herz ward weit.

Das Herz, das viel gewandert ist,

Das sich verjüngt mit Lust und List,

Das Herz muss gleich den Bäumen lauschen

Und Blicke mit dem Staube tauschen.

Es hat geküsst, ahnt seine Frist,

Das Laub fällt hin, das Herz vergisst.

Max Dauthendey



Im Herbst

Wie mit Flor bezogen ist der Himmel,
Graue Nebel sinken feucht und schwer,
Und der Raben hungriges Gewimmel
Zieht auf Stoppelfeldern hin und her.

Blätter rauschen auf den öden Wegen,
Die ich froh und glücklich einst betrat;
Rauhe Lüfte hauchen mir entgegen,
Und durchschaueren die Wintersaat.

Ringsumher ist jede Spur verschwunden
Von des Sommers Lieblichkeit und Lust.
Nur in tiefen, unheilbaren Wunden
Regt sich noch sein Bild in meiner Brust.

Nur die Hoffnung hebt durch frische Farben
Die verblichne, freudenleere Welt;
Sammelt auch auf öden Fluren Garben,
Die sie in der Zukunft Felder stellt.

Und der Schwermut schauerliche Nächte
Hellt uns oft ihr goldner Himmelsschein;
Freundlich führt uns ihre milde Rechte
In das Reich der Fantasieen ein.

Tön' auch mir mit Deinem Schmeichelworte,
Hoffnung, Frieden in das bange Herz;
Kränze windend um der Zukunft Pforte,
Deute Du der Sehnsucht ihren Schmerz.

Und wenn einst der Sommer wiederkehret,
Lass in seinem frischbelebten Grün
Jede Freude, die mein Herz entbehret,
Mir im Glück des Wiedersehens blühn.

Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)


Herbstgefühl

Grünen, Blühen, Duften, Glänzen,

Reichstes Leben ohne Grenzen,

Alles steigernd, nirgends stockend.

Selbst die kühnsten Wünsche lockend:

Ja, da kann ich wohl zerfließen,

Aber nimmermehr genießen;

Solche Flügel tragen weiter

Als zur nächsten Kirschbaum-Leiter.

Doch, wenn rot die Blätter fallen,

Kühl die Nebelhauche wallen,

Leis durchschauernd, nicht erfrischend,

In den warmen Wind sich mischend:

Dann vom Endlos-Ungeheuren

Flücht' ich gern zum Menschlich-Teuren,

Und in einer ersten Traube

Sieht die Frucht der Welt mein Glaube.

Friedrich Hebbel, (1813-1863)


Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah! 
Die Luft ist still, als atmete man kaum, 
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah, 
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum. 

O stört sie nicht, die Feier der Natur! 
Dies ist die Lese, die sie selber hält, 
Denn heute löst sich von den Zweigen nur, 
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)



Später Sommer

Verschwunden sind vom Feld die letzten Garben.

Das Laub der Bäume schimmert rostigbraun.

Der Garten strahlt jetzt in Spätsommerfarben,

und draußen steht der Herbst schon vor dem Zaun.

Der Nebel senkt sich wie ein grauer, feuchter Hauch

auf Flur und Au und auf den Hagebuttenstrauch.

Ein letzter Gruß der bunten Georgine,
dann greife ich zur Winterpellerine.

Die Luft ist kühl, es schwingt in ihr ein Grämen,

so wie ein fernes, kaum geahntes Leid.

Es ist so wie ein stilles Abschiednehmen

von einer schönen, vielgeliebten Zeit.

Die Erde prangt in ihrem letzten Blumenflor,

bereitet sich auf herbstlich rauhe Tage vor.

Die Astern blühn so prächtig wie ein Wunder.

Im Glase blinkt und funkelt der Burgunder.

Jetzt rüsten sich die Vöglein auch zum Reisen,

versammeln sich in Scharen im Geäst.

Sie ruhen aus, sie fliegen auf und kreisen.

Es ist so wie ein Sommer-Abschiedsfest.

Bald geht mein Zug, denn heute ist der letzte Tag.

Mir ist so weh, dass ich es kaum beschreiben mag.
V
erklungen sind des Sommers frohe Lieder.

Die Träne rinnt, der Asphalt hat mich wieder.

Fred Endrikat, 1890-1942


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