Jetzt ist es Herbst
Jetzt ist es Herbst,
Die Welt ward weit,
Die Welt ward weit,
Die Berge öffnen ihre Arme
Und reichen dir Unendlichkeit.
Und reichen dir Unendlichkeit.
Kein Wunsch, kein Wuchs ist mehr im Laub,
Die Bäume sehen in den Staub,
Sie lauschen auf den Schritt der Zeit.
Jetzt ist es Herbst,
das Herz ward weit.
das Herz ward weit.
Das Herz, das viel gewandert ist,
Das sich verjüngt mit Lust und List,
Das Herz muss gleich den Bäumen lauschen
Und Blicke mit dem Staube tauschen.
Es hat geküsst, ahnt seine Frist,
Das Laub fällt hin, das Herz vergisst.
Max Dauthendey
Im
Herbst
Wie mit
Flor bezogen ist der Himmel,
Graue
Nebel sinken feucht und schwer,
Und der
Raben hungriges Gewimmel
Zieht
auf Stoppelfeldern hin und her.
Blätter
rauschen auf den öden Wegen,
Die ich
froh und glücklich einst betrat;
Rauhe
Lüfte hauchen mir entgegen,
Und
durchschaueren die Wintersaat.
Ringsumher
ist jede Spur verschwunden
Von des
Sommers Lieblichkeit und Lust.
Nur in
tiefen, unheilbaren Wunden
Regt
sich noch sein Bild in meiner Brust.
Nur die
Hoffnung hebt durch frische Farben
Die
verblichne, freudenleere Welt;
Sammelt
auch auf öden Fluren Garben,
Die sie
in der Zukunft Felder stellt.
Und der
Schwermut schauerliche Nächte
Hellt
uns oft ihr goldner Himmelsschein;
Freundlich
führt uns ihre milde Rechte
In das
Reich der Fantasieen ein.
Tön'
auch mir mit Deinem Schmeichelworte,
Hoffnung,
Frieden in das bange Herz;
Kränze
windend um der Zukunft Pforte,
Deute
Du der Sehnsucht ihren Schmerz.
Und
wenn einst der Sommer wiederkehret,
Lass in
seinem frischbelebten Grün
Jede
Freude, die mein Herz entbehret,
Mir im
Glück des Wiedersehens blühn.
Charlotte
von Ahlefeld (1781-1849)
Herbstgefühl
Grünen,
Blühen, Duften, Glänzen,
Reichstes
Leben ohne Grenzen,
Alles
steigernd, nirgends stockend.
Selbst
die kühnsten Wünsche lockend:
Ja,
da kann ich wohl zerfließen,
Aber
nimmermehr genießen;
Solche
Flügel tragen weiter
Als
zur nächsten Kirschbaum-Leiter.
Doch,
wenn rot die Blätter fallen,
Kühl
die Nebelhauche wallen,
Leis
durchschauernd, nicht erfrischend,
In den
warmen Wind sich mischend:
Dann
vom Endlos-Ungeheuren
Flücht'
ich gern zum Menschlich-Teuren,
Und
in einer ersten Traube
Sieht
die Frucht der Welt mein Glaube.
Friedrich Hebbel, (1813-1863)
Herbstbild
Dies
ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die
Luft ist still, als atmete man kaum,
Und
dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die
schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört
sie nicht, die Feier der Natur!
Dies
ist die Lese, die sie selber hält,
Denn
heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von
dem milden Strahl der Sonne fällt.
Christian
Friedrich Hebbel (1813-1863)
Später
Sommer
Verschwunden
sind vom Feld die letzten Garben.
Das
Laub der Bäume schimmert rostigbraun.
Der
Garten strahlt jetzt in Spätsommerfarben,
und
draußen steht der Herbst schon vor dem Zaun.
Der
Nebel senkt sich wie ein grauer, feuchter Hauch
auf
Flur und Au und auf den Hagebuttenstrauch.
Ein
letzter Gruß der bunten Georgine,
dann greife ich zur Winterpellerine.
Die
Luft ist kühl, es schwingt in ihr ein Grämen,
so wie
ein fernes, kaum geahntes Leid.
Es ist
so wie ein stilles Abschiednehmen
von
einer schönen, vielgeliebten Zeit.
Die
Erde prangt in ihrem letzten Blumenflor,
bereitet
sich auf herbstlich rauhe Tage vor.
Die
Astern blühn so prächtig wie ein Wunder.
Im
Glase blinkt und funkelt der Burgunder.
Jetzt
rüsten sich die Vöglein auch zum Reisen,
versammeln
sich in Scharen im Geäst.
Sie
ruhen aus, sie fliegen auf und kreisen.
Es ist
so wie ein Sommer-Abschiedsfest.
Bald
geht mein Zug, denn heute ist der letzte Tag.
Mir ist
so weh, dass ich es kaum beschreiben mag.
V
erklungen
sind des Sommers frohe Lieder.
Die
Träne rinnt, der Asphalt hat mich wieder.
Fred
Endrikat, 1890-1942
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