Es trafen sich einst der Rabe und der Bär im Walde.
Der Bär hatte sich verlaufen und wusste nicht einmal, warum er überhaupt unterwegs war,
also fragte er den Raben nach dem Weg.
Der Rabe krächzte:
"Wohin soll es denn gehen? Was willst du denn tun?"
Darauf der Bär:
"Ich weiß es selber nicht genau. Ach, ich bin ein dummer Bär.
Woher soll ich denn wissen, was ich tun soll oder wohin ich
gehen soll, wenn ich doch gar nichts weiß?"
"Ah, aber du weißt, Gevatter Bär, das du hier her gegangen bist
und zumindest wo du bist?"
"Ich... ich denke, das ich das weiß. Ich bin hier im Wald und ich kam auf diesem Weg."
Der Bär seufzte und ergänze noch zögernd:
"Aber ich weiß nicht, wohin es weitergeht..."
Der Rabe nickte.
"Aus welchen Grund hast du diesen Weg beschritten auf deinen großen Tatzen?
Dieser Weg, so wie jeder Weg, hat zumindest zwei Richtungen. Weshalb diese?"
"Ich weiß es nicht." Nach kurzem Überlegen: "Es fühlte sich einfach richtig an."
"Ah, Bär, dann war es die richtige Wahl. Du hast schon viele Entscheidungen getroffen,
auch wenn du nicht weißt, daß du sie getan hast. Du hast dein Zuhause verlassen,
bist hinausgestapft. Du hast den Weg gewählt, welchen du gekommen bist, und die
Art und Weise, wie du auf ihm gegangen bist. Und du hast dich entschieden, mich nach
dem Weg zu fragen... krahkrah!"
Der Bär schluchzte.
"Aber ich habe gar nichts entschieden... ich tat nur das, was sich richtig anfühlte!"
Da lachte der Rabe.
"Und das ist keine Wahl treffen? Es ist eher so, daß du nicht dabei überlegt hast.
Du hast dich nicht hingesetzt und lange dir dein Gehirn zermartert und hast nicht
große schwerwiegenden Weisheiten gesagt, bevor du zu einer Entscheidung kamst,
welche im Augenblick schon bei dir war. Dein Ziel ist klar, Gevatter Bär!
Bleibe so wie du bist und vertraue auf deine Instinkte!"
Der Bär nickte und begann, dem Weg weiter entlang zu trotten.
"Ich versuche es, Gevatter Rabe. Auch wenn ich gerne wüsste,
wohin es mich verschlägt..."
Frei nach Richard E. Dansky
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen